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Geschichte des Amtsgerichts Holzminden

Eine Festschrift anlässlich des 150jährigen Bestehens der Amtsgerichte im Bezirk des ehemaligen Königreichs Hannover ist für das Amtsgericht Holzminden eigentlich weder Anlass noch Berechtigung mitzufeiern, denn Holzminden, wie auch die weiteren ehemaligen Amtsgerichte Eschershausen und Stadtoldendorf, gehörten zu Braunschweig und sind erst seit 61 Jahren hannoversch bzw. preußisch. Erst durch die sogen. Salzgitter VO vom 25.6.1941 wurde der Landkreis Holzminden in den Regierungsbezirk Hildesheim eingegliedert und als Ausgleich dafür Stadt und Landkreis Goslar dem Land Braunschweig einverleibt. Lediglich die Bereiche der Gemeinden Polle, Bodenwerder (Amtsgerichtsbezirk Polle) und Lauenförde (Amtsgerichtsbezirk Uslar) haben als uralt hannoversches Gebiet vollen Anlass, das Jubiläum zu begehen.
Das 150-jährige Bestehen des Amtsgerichts zu feiern hätte Holzminden schon im Jahre 2000 Veranlassung gehabt, denn im Herzogtum Braunschweig bestimmte das Gesetz über die Gerichtsverfassung vom 21. August 1849 – in Kraft seit 1. Juli 1850 – die Einrichtung von Amtsgerichten. Die 50er Jahre des vorvergangenen Jahrhunderts hatten für das Amtsgericht Holzminden auch insoweit Bedeutung, als für das Gebäude einer ehemaligen Seifenfabrik, in dem damals das Amtsgericht untergebracht war, ein Neubau an der Karlstraße verwirklicht wurde, der noch heute das Stadtbild Holzmindens entscheidend prägt; errichtet aus weißem Sandstein.

Amtsgericht Holzminden  

Bereits 20 Jahre später erhielt das Gebäude durch zwei Anbauten seine noch heute unveränderte Gestalt: Durch das Gerichtsverfassungsgesetz, seit 1879 in Kraft, wurde der Instanzenzug Amtsgericht / Landgericht geregelt und schon wegen der weiten Entfernung von Braunschweig Holzminden zum Sitz eines Landgerichts bestimmt. Der benötigte Raum wurde durch zwei Anbauten an die Seitenflügel in den Jahren 1878/1879 geschaffen, die in allen Details die Formen der vorhandenen Fassade aufgriffen und sich schlüssig dem älteren, mittleren Bauteil anpassen.

Amtsgericht Holzminden  

Mit der Herrlichkeit des Landgerichts – zuständig für die Kreise Holzminden und Gandersheim – war es leider relativ bald vorbei: 1890 wurde das Landgericht "wegen zu geringer Auslastung" aufgehoben.Der damit verringerte Raumbedarf führte dazu, dass 1893 die Kreis- und Leihhauskasse den Westflügel des Gerichtsgebäudes nutzte, in dem auch zwei Dienstwohnungen für Kreisrentmeister und Kassendiener geschaffen wurden, die bis Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts für den Amtsgerichtsdirektor und einen Wachtmeister vorgehalten wurden. Vom 2. Weltkrieg unzerstört nahm das Amtsgericht bereits am 30.5.1945 – als erstes Gericht des Oberlandesgerichtes Celle – seine Tätigkeit wieder auf. In den 70er Jahren wurden die Gerichtsgrenzen den Kreisgrenzen angepasst: Am 1.7. 1972 wurde zunächst das Amtsgericht Stadtoldendorf übernommen, am 1.7. 1973 das Amtsgericht Eschershausen. Am 1.3.1974 wechselte die Zuständigkeit für den Bereich Polle vom Amtsgericht Bad Pyrmont , seit 1.5.1974 für Lauenförde und Meinbrexen von Uslar nach Holzminden. Als letzter Bereich kam Delligsen zum 1.1.1983 vom Amtsgericht Bad Gandersheim zum Amtsgericht Holzminden.

Der größere Zuständigkeitsbereich führte zu erheblichen räumlichen Engpässen, die erst 1978 überwunden werden konnten, als ein Forstamt in Holzminden aufgelöst wurde und das Gebäude in der Neuen Straße – ca. 50 m vom Hauptgebäude entfernt – Heimstatt bot für das Familiengericht, Teile der Zivilabteilung und verschiedene Abteilungen der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Relativ früh hat sich das Amtsgericht Holzminden jeweils um die Installation moderner Technik erfolgreich bemüht und sieht den Herausforderungen der Zukunft mit zur Zeit ca. 50 Bediensteten gelassen entgegen.

Amtsgericht Holzminden  
Treppengeländer, Amtsgericht Holzminden

Treppengeländer Amtsgericht Holzminden

Alte Truhe  

Kriegskasse

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